Food 4 Thought

Alltagsrassismus

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Alltagsrassismus- „Sie sprechen aber gut deutsch!“

Liebe Leser*Innen, eins möchte ich voran klarstellen: ich möchte hier keinesfalls alle „Weißen“ über einen Kamm scheren!

Letztens spazierte ich im Nachbarort Hand in Hand mit meiner vierjährigen Tochter zum Friseur. Einhörner sind bei uns gerade das große Thema und so hat sie mich freudig über diese aufgeklärt. Im selben Moment kreuzte unser Weg den einer älteren Dame die dann freundlich aber doch erstaunt sagte: „Aha, man spricht Deutsch!“

Das hat mir kurz einen solchen Schlag versetzt, dass ich erst einmal nicht reagieren konnte. Im ersten Augenblick, in dem ich die Dame wahrgenommen hatte, dachte ich mir noch „Ach wie nett – Sie kommt lächelnd auf uns zu…“ – und dann so etwas. Natürlich ist mir bewusst das man einen alten Baum nicht umpflanzen kann, was heißen soll für unsere älteren Mitbürger ist es oft schwer zu verstehen das „fremd“ aussehende ganz normale integrierte Mitmenschen sind.
Mir ist es ehrlich gesagt schon oft passiert, dass mir unbekannte und fremde Menschen, die sich zum ersten Mal mit mir unterhalten, im Nachsatz etwas in Richtung „Sie/Du sprechen/sprichst aber gut deutsch.“ sagten.

Für mich ist es in gewisser Weise zwar nachvollziehbar, woher dieser Gedanke rührt, allerdings fällt es mir gleichzeitig sehr schwer, dies so einfach hinzunehmen.
In einer solchen Aussage schwingt viel mit: ich werde nur nach meinen Äußerlichkeiten beurteilt, welche über mein Inneres geschweige denn meine Fähigkeiten oder Intellekt rein gar nichts aussagen.

Diese Form von Alltagsrassismus ist auch heute noch allgegenwärtig.

Erinnert ihr euch an die Super Dickmanns, „gerne“ auch Negerküsse oder Mohrenköpfe genannt? Dieser Begriff hat mich immer schon gestört, besser gesagt geärgert. Es scheint so, als ob es noch nicht überall angekommen ist, dass es eine Unart ist, diesen Ausdruck noch zu verwenden.

Als ich vor ca. 6 Jahren das erste mal am Bahnhof in Innsbruck ankam, hing dort ein überdimensionales Werbeplakat einer Vorarlberger Brauerei mit dem unglaublich reizenden Namen „Mohren Brauerei.“ Als ich das gesehen habe, war ich dermaßen enttäuscht und wollte nicht glauben, dass man solch einen Namen beibehält, Tradition hin oder her.

Ich erinnere mich noch deutlich an eine Situation, als ich Anfang zwanzig war: zu dieser Zeit sind wir sind viel ausgegangen, gerne auch in anderen Städten. Einmal saßen wir (eine kleine Gruppe dunkelhäutiger Menschen) am Bahnhof und warteten auf den ersten Zug zurück nach Hause. Außer uns warteten noch einige andere nach dem Feiern auf ihren Zug.
Nach einiger Zeit kamen zwei Polizisten in den Bahnhof, schauten sich um und kamen dann auf unsere Gruppe zu um unsere Personalien zu kontrollieren – was bei uns natürlich für Unmut sorgte, da nur wir kontrolliert werden sollten. Als wir ruhig aber bestimmt fragten warum genau wir kontrolliert werden, meinten die Herren emotionslos, dass dieses Vorgehen ein Standardprozedere wäre.
Das Gefühl, welches ich in diesem Moment empfunden habe, werde ich nie vergessen -. In solchen Momenten wurde mir wieder einmal bewusst, dass ich anders aussehe.

Außer uns wurde niemand kontrolliert.

Der Sommer 2016 war ja eher durchwachsen, aber wir waren doch einige Male mit den Kids im Freibad. Wenn mein Mann mitkam konnte ich endlich mal ein paar Bahnen schwimmen gehen, ohne auf die Kinder aufzupassen – was ich natürlich auch gleich genutzt und genossen habe.
Während ich also in den letzten Zügen meines kleinen Schwimmausflugs war, saßen zwei ältere Herren am Beckenrand von denen ich mich schon ein Weile beobachtet gefühlt hatte. Als ich an Ihnen vorbei kam, sagte der eine zum anderen:„So was wie die gefällt dir doch, das ist genau das richtige für dich“

Die Herren fanden wohl meinen Exotik-Faktor sehr ansprechend.

via weheartit.com

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Es gibt natürlich jene Mitmenschen, die es nicht besser wissen und mich aus reiner Neugierde und ohne Vorurteil Dinge fragen oder Aussagen treffen wie zum Beispiel:
„Darf ich deine Haare anfassen?“ oder „Ich wollte auch immer Schokokinder.“
Solche Aussagen sind natürlich auch nicht gerade schön zu hören, aber ich persönlich kann damit noch eher umgehen.
Ich sehe es so, dass man gewisse Sachen für sich selbst abwägen muss und entscheiden muss inwieweit man sich dagegen zur Wehr setzen will.

Wenn ihr nun meine Erfahrungen gelesen habt, könntet Ihr vielleicht denken
„Oh je, was ist denn mit denen los?!“
Aber das, was Ihr nicht direkt herauslesen könnt ist die Tatsache, dass mir die Mehrheit der Mitmenschen, die ich je getroffen habe, ein Gefühl von Zugehörigkeit gegeben haben und mir mit Freundlichkeit begegnet sind. Und so habe ich mich und nicht zuletzt wegen meiner Freunde immer gut aufgehoben und willkommen gefühlt.

Leider ist es nicht nur die „alte“ Generation, die mit „fremder“ Optik ein Akzeptanzproblem zum haben scheint – wir sind als Gesellschaft leider nach wie vor nicht dort angekommen,wo wir im 21. Jahrhundert stehen sollten. Aber die beste Reaktion auf unpassende Bemerkungen ist immer noch eine adäquate Antwort.

Coverbild via danazhaircuts.xyz
  1. Habe ihren Bericht gelesen und Oma einer hübschen Enkelin, Vater aus Nigeria. Die Vorurteile der Sprache gegenwärtig! Nach Absolvierung der 8jährigen Grundschule wurde meine Enkelin am Tag der Einschulung in eine HBLA gefragt, ob sie die deutsche Sprache spricht. ..Auch in Österreich allgegenwärtig! LG

    • Hallo Josefine, erst einmal vielen dank für deinen Kommentar! Ich lebe seit 5 Jahren in Österreich und auch hier ist es mir leider schon mehrfach so ergangen. Es scheint sich leider in manchen Köpfen sehr festgesetzt zu haben, dass anders aussehen auch anders sein (der deutschen Sprache nicht mächtig sein) bedeutet.

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